Abschied von einem Kameraden: Roland Wuttke ist tot

Es gibt Menschen, Mitstreiter, Freunde, die sind einfach immer da. Zumindest gefühlt. Man kann sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen und um einen Gefallen, um Hilfe bitten – sie sind da, finden Lösungen, bieten Unterstützung an. Ihr Verlust ist umso schwerer, wenn sie irgendwann plötzlich nicht mehr da sind.

Roland Wuttke war so ein Mensch – man muß sagen: ein Kamerad, von dem das berühmte Lied weiß: „Einen besseren findst du nit / im gleichen Schritt und Tritt“. Wenn man viele Jahre gemeinsam dem Kampf um ein besseres Deutschland gewidmet hat, kann man beurteilen, wer am  Ende Flugsand war und wer echt war, weil er in all den Jahren immer irgendwie präsent war. Roland Wuttke gehörte zu den Echten. Zu denjenigen, die durchhielten. Nicht weil sie vom schlußendlichen Erfolg überzeugt sind, sondern weil Nichtstun keine Option ist. Roland Wuttke war ein Überzeugungstäter. Am 9. April nun, dem Donnerstag nach Ostern, traf uns alle die Nachricht, daß er im Krankenhaus verstorben sei. Er soll zuversichtlich gewesen sein, daß alles einen guten Verlauf nehmen würde.

Wenn man seit weit über zwanzig Jahren mit Roland zusammenarbeitete, kannte und erlebte man ihn meist als zuversichtlichen, hoffnungsvollen Menschen. Er war keiner der Verbiesterten, deren einziger Antrieb nur noch das Dagegensein ist. Er hatte Hoffnung, daß einst alles besser werden würde. Er war bei aller Schwere des politischen Kampfes im vermeintlich „besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“ (Steinmeier), bei allen Nackenschlägen, die auch er privat wie erst recht politisch einstecken mußte, ein positiver Mensch. Er handelte, machte, leistete ohne viel Aufhebens um seine Person seinen Beitrag. Manche wollten in ihm einen Autisten sehen. Denn wenn er etwas als richtig erkannt hatte, zog er es notfalls auch allein durch, wie etwa das alljährliche Gedenken zu Ehren des 75jährigen Reinhold Elstner, der sich im April 1995 an der Münchner Feldherrnhalle selbst verbrannt hatte, aus Resignation über die beschämende allgemeine Situation im Lande. Roland Wuttke fand sich seit vielen Jahren immer am 26. April, Elstners Todestag, mit einem kleinen Häuflein Getreuer in der Münchner Innenstadt ein und gedachte des Toten mit einer Mahnwache. Des hämischen Mobs, der die Szene mit seinem Geschrei begleitete, achtete er nicht. Er wußte, daß richtig war, was er tat.

Wann immer er konnte, half er, sammelte Unterschriften, meldete Kundgebungen an, war bei Verteilaktionen oder am Infostand präsent. Sein Rat war wertvoll und immer konstruktiv. Seine Unterstützung hatte stets Hand und Fuß, sei es vor Gericht, sei es in der gemeinsamen Vorstandsarbeit, sei es im redaktionellen Bereich. Roland lieferte zahllose Beiträge für die frühere NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“, seit langem auch für das von ihm als Herausgeber betreute Zeitschriftenprojekt „Volk in Bewegung“. Erst dieser Tage warb er für eine neue Schriftenreihe, für die er verantwortlich zeichete: „Kulturwarte“, eine „Zeitschrift für Bewußtsein, Brauchtum, Kultur und Geschichte“. Das Impressum wies einen Verlagsort in Ungarn aus.

Schon vor Jahren hatte sich Roland, die immer unerträglicher werdenden Verhältnisse in Deutschland vor Augen, in Ungarn ein kleines Refugium, ein zweites Standbein geschaffen. Das hinderte ihn nicht, die bundesdeutsche „Szene“ weiterhin zu unterstützen, so gut er konnte. Ein besonderes Anliegen war ihm dabei die Gedächtnisstätte Guthmannshausen, die vor fast genau fünf Jahren, im April 2021, Ziel eines Brandanschlags wurde.

Man muß Roland Wuttkes unermüdlichen Einsatz umso mehr würdigen, als er auch familiär nicht gegen Schicksalsschläge gefeit war – er hat sie, wie vieles andere, nicht an die große Glocke gehängt. Er war überhaupt ein feiner, menschlich immer untadeliger Kerl. Nie stritt er sich um Listenplätze, nie forderte er Lohn, an den üblichen Parteistreitigkeiten beteiligte er sich nicht. Wenn es ihm zuviel wurde, ging er einfach. Bis zuletzt strahlte er eine tiefe, ruhige Anständigkeit aus.

Nun wurde Roland über Nacht nicht nur aus allen seinen Aktivitäten, sondern aus dem Leben gerissen. Für uns alle, die wir ihn kannten, ist sein Fortgang ein Verlust, der schwer in Worte zu fassen ist. Mögst du Ruhe finden, unser guter Kamerad. Einen besseren finden wir nicht.

Karl Richter

„Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“

Augustinus